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bergH  Moderator
Anmeldungsdatum: 14.06.2001 Beiträge: 13678 Wohnort: Am Kamener Kreuz
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Beitrag 0 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 14:05 Titel: |
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tach auch !
Na ja aufgrund einer etws unglücklich begonnenen Diskussion wurde der letzte Thread zu dem Thema geschlossen.
Den findet Ihr hier :
Gewerkschaft nein danke !
Inklusive einiger Beispiele und der begonnenen Diskussion,
also bitte vorher lesen.
Das Thema : Gewerkschaften in Deutschland.
Schaden sie dem Aufschwung ?
Brauchen wir sie noch ?
Wo wären wir ohne sie ?
Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
Wo haben sie versagt ? (Arbeitsamt)
Wo sind sie wichtig ?
Wo sind sie unverzoichtbar ?
Gibt es einen gerechten Sozialsystemumbau ohne sie ?
Na dann los: _________________ Gruß BergH |
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MrWGT 
Anmeldungsdatum: 28.10.2002 Beiträge: 292
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Beitrag 1 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 14:43 Titel: |
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Hi...
Meine Antworten auf einige deiner Fragen sind:
Schaden sie dem Aufschwung ?
Ja. Ich finde, daß viele Gewerkschaften sich verhalten wie "das haben wir schon immer so gemacht und was bei Kohle/Metall geht funktioniert auch so 1:1 in der IT Branche.".
Brauchen wir sie noch ?
Ja, denn ohne sie wären die Arbeitgeber zu mächtig.
Wo wären wir ohne sie ?
Sicher nicht da (positiv gemeint) wo wir jetzt sind.
Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
Keine Meinung dazu.
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Allgemein:
Man braucht schon einen Gegenpol zu den Interessen der Industrie, welche ja (so mein Eindruck) nur noch dem Shareholder-Value "huldig", d.h. Gewinn ist alles - auch auf Kosten von Mitarbeitern. Nur müssen die Gewerkschaften (und auch die Arbeitgeber) auch einsehen, daß man mit "Methoden der Vergangenheit" nicht in der Zukunft überleben kann.
Nur wenn beide Seiten aufeinander zugehen kann es uns allen besser gehen.
Meine persönlichen Ideen für Unternehmen/Gewerkschaften:
1) BR/Gewerkschaft legt mit Firmenleitung bestimmte Ziele in der Unternehmenspolitik fest, z.B. nächstes Jahr 3% mehr Autos verkaufen, 10% Kosten einsparen, 1% mehr Mitarbeiter.
2) Beide Seiten legen fest, wie dies zu geschehen hat, z.B. Entlassungen, Mehrarbeit, Optimierung der Prozesse in der Herstellung usw.
3) Beim Erreichen dieser Ziele werden festgelegte Prämien an alle Mitarbeiter/Firmenleitung ausgeschüttet. Erreichte Ziele, welche positiv fürs Unternehmen sind (Kosten gespart, Gewinn erhöht), führen zu Prämien für Mitarbeiter (die haben das ja gemacht). Erreichte Ziele, welche positiv für die Mitarbeiter sind (weniger Mehrarbeit, mehr Mitarbeiter), führen zu Prämien für Firmenleitung.
Gruß,
Gerd
PS: Nur so mal schnell meine Gedanken vom (noch vorhandenen) Arbeitsplatz aus... |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 2 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:03 Titel: |
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Das Thema : Gewerkschaften in Deutschland.
[list]
[*]Schaden sie dem Aufschwung ?
- im Prinzip: NEIN ! Im Einzelfalle (konkret am Punkt) müsste man das näher spezifizieren.
[*]Brauchen wir sie noch ?
- Gibt keine Alternative außer Frühkapitalismus und völlige Willkür der Unternehmer.
[*]Wo wären wir ohne sie ?
Ungefähr da wo sich die Menschen in den Ländern wiederfinden wo sie keine gewerkschaftlich Vertretung haben:
Ausgebeutet (jetzt im Wortsinne) und ohne jegliche Rechte, der Willkür der Unternehmer schutzlos ausgeliefert.
[*]Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
Ja. Das nennt man die "Arbeiterautokratie". Wer aber über die (vielleicht) hohen Gehälter der "Funktionäre" ablästet - kennt nicht die der Manager der div. Großunternehmen. Muß man im Verhältnis sehen. Außerdem bezahlen das ja die Gewerkschaftsmitglieder. Ist also ausschließlich deren Sache.
Das in "Vereinen" wie Gewerkschaften im laufe der Jahre Verkrustungen und ungute Strukturen entstehen - wundert das jemand ? Auch das ist Angelegenheit der Mitglieder dies ggf. zu ändern.
[*]Wo haben sie versagt ? (Arbeitsamt)
Hätten halt - genau wie die Unternehmen - die Gefahren und Umwälzungen welche u.a. durch die Globalisierung aller Bereiche entstanden sind eher im Auge haben müssen und darauf ädequat reagieren müssen. Jetzt isses doppelt so schwer.
[*]Wo sind sie wichtig ? Wo sind sie unverzoichtbar ?
Den Gewerkschaften (heißt den Menschen dort) ist es zu verdanken das es überhaupt einen sozialen Fortschritt gab. Auch Demokratie wäre ohne sie unvorstellbar. Selbst der Kapitalismus braucht sie - und sei es nur darum um die Leute ruhig zu stellen und ein Klima zu schaffen in dem möglichst wenig Arbeitskämpfe stattfinden. Kein vernüftiger Unternehmer hätte je die Existenzberechtigung der Gewerkschaften in Frage gestellt (bei uns ! )
[*]Gibt es einen gerechten Sozialsystemumbau ohne sie ?
einen "gerechten Sozialsystemumbau" wird weder mit, noch ohne die Gewerkschaften geben. Allenfalls - und das ist die Aufgabe der Gewerkschaft als Interessensorganisation - wird sie allzutiefe und sozial unausgewogene Einschnitte verhindern. Das sie dabei die Interessen der Unternehmen vertreten soll - wie hier manchmal anklingt - ist so unsinnig wie zu fordern der ADAC soll die Interessen der Radfahrer in sein Mittelpunkt stellen. _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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Tschok 

Anmeldungsdatum: 25.07.2002 Beiträge: 271 Wohnort: Zwischen Hamburg und Bremen
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Beitrag 3 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:10 Titel: |
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Schaden sie dem Aufschwung ?
Ja, wenn man der Ansicht ist, dass eine finanzielle Schwächung der Arbeitnehmer zum Aufschwung beiträgt. Denn natürlich steht die Wahrung der Rechte der Arbeitnehmer kontraproduktiv zu den Wünschen der Arbeitgeber und dem Prinzip der Gewinnmaximierung. Die Gewerkschaften können demnach gar nicht anders, als "aufschwunghemmend" zu sein.
Nein, wenn man der Ansicht ist, dass eine Erhöhung der finanziellen Mittel der Arbeitnehmer zum Aufschwung beiträgt.
Brauchen wir sie noch ?
Natürlich!
Wo wären wir ohne sie ?
Auf deutsch gesagt: Im Ar*** ;)
Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
Jep. Thats the probleme. Eine Institution, deren Aufgabe die Vertretung der Rechte der Arbeitnehmer hat, die aber gleichzeitig als Arbeitgeber und damit als Besitzer von Macht und Kapital gegen die Interessen der Arbeitnehmer agieren muss, verfehlt ihre Wirkung und wird unglaubwürdig.
Wo haben sie versagt ? (Arbeitsamt)
Vor allem in Bezug auf ihre Glaubwürdigkeit.
Wo sind sie wichtig ?
Zur Wahrung der Rechte der Arbeitnehmer und für den Fortbestand der Demokratie.
Gibt es einen gerechten Sozialsystemumbau ohne sie ?
Einen "gerechten Sozialsystemumbau" gibt es weder mit noch ohne Gewerkschaften. Bei den Plänen zu einem Sozialsystemumbau müssen sie natürlich beteiligt werden.
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 4 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:16 Titel: |
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in der IT Branche ...
Gutes Beispiel. Bei mir um die Ecke, Bad Homburg - sitzt ja HP.
In den 80ziger Jahren - fette Zeiten - war man dort der Meinung keine Gewerkschaften zu brauchen. Paradiesische Zustände im Unternehmen, Kaffe kostenlos, Urlaub satt und jegliche denkbaren Wohltaten (Sonderzulagen, gleitende Arbeitzeit, Urlaubs- und Weihnachtsgelder satt) seitens der Unternehmensleitung für "ihre" Angestellte. Wozu also Gewerkschaften.
Gut - die (Fach)Idioten der IT-Branche, - dort versammeln die sich wohl alle - .. sahen das auch so.
Bis auf das böse Erwachen in Zeiten wo es schlechter lief. Nix von all den Wohltaten war tariflich oder selbst nur Haustariflich geregelt. Wurde auch mit einem Schlag abgeschafft. So wie auch die meisten der A*rschlöcher die vorher der Meinung waren Gewerkschaften sei was aus dem 18.Jahrhundert und sie hätten das ja ned nötig. Möchte mal gerne wissen wie viele von den Klugschei*ßern heute Taxi fahren. _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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bergH  Moderator
Anmeldungsdatum: 14.06.2001 Beiträge: 13678 Wohnort: Am Kamener Kreuz
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Beitrag 5 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:20 Titel: |
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tach auch !
Na da hab ich ja was angerichtet !
(Bischen provokant die Fragen gelle ?)
Zitat: | Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
Jep. Thats the probleme. Eine Institution, deren Aufgabe die Vertretung der Rechte der Arbeitnehmer hat, die aber gleichzeitig als Arbeitgeber und damit als Besitzer von Macht und Kapital gegen die Interessen der Arbeitnehmer agieren muss, verfehlt ihre Wirkung und wird unglaubwürdig. |
100 % Ackn.
Haben sie versagt (Arbeitsamt.)
Sorry , den hat selbst Helmut nicht verstanden, obwohl wir das diskutiert haben.
Damit war gemeint, daß die Gewerkschaften im paritätisch besetzten "Aufsichtsrat" des Arbeitsamt saßen und sitzen.
Und trotzdem konnte es passieren, daß das Arbeitsamt Arbeit hatte ohen Ende (Statistiken fälschen) , Geld für Weiterbildungen / ABM bezahlt hat (ohne Ende) und trotzdem kaum Arbeit vermittelt wurde.<----polemisch formuliert, aber WAHR
Eine gewagte These (aus dem Stern ?)
Weiterbildungen und Umschulungen sind inzwischen ein
MILLIARDEN-Geschäft. 25-35 MILLIARDEN-EURO / Jahr
Und wer macht die meisten Umschulungen ?
[X] Gewerkschaften
[ ] "freie" Wirtschaft
[ ] Kirche
--------------
Ansonsten stimme ich meine Vorpostern zu:
Ohne Gewerkschaften ginge es uns heute wesentlich schlechter , als mit.
Was nicht heißt , daß da Einiges im Argen ist und verbessert werden muß.
BTW:
Ich war heute bei der Aufsichtsratswahl von zwei Firmen !
(Nur wer wählt kann nachher meckern.) _________________ Gruß BergH |
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Tschok 

Anmeldungsdatum: 25.07.2002 Beiträge: 271 Wohnort: Zwischen Hamburg und Bremen
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Beitrag 6 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:27 Titel: |
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Zitat: | in der IT Branche ...
Gutes Beispiel. Bei mir um die Ecke, Bad Homburg - sitzt ja HP.
In den 80ziger Jahren - fette Zeiten - war man dort der Meinung keine Gewerkschaften zu brauchen. Paradiesische Zustände im Unternehmen, Kaffe kostenlos, Urlaub satt und jegliche denkbaren Wohltaten (Sonderzulagen, gleitende Arbeitzeit, Urlaubs- und Weihnachtsgelder satt) seitens der Unternehmensleitung für "ihre" Angestellte. Wozu also Gewerkschaften.
Gut - die (Fach)Idioten der IT-Branche, - dort versammeln die sich wohl alle - .. sahen das auch so.
Bis auf das böse Erwachen in Zeiten wo es schlechter lief. Nix von all den Wohltaten war tariflich oder selbst nur Haustariflich geregelt. Wurde auch mit einem Schlag abgeschafft. So wie auch die meisten der A*rschlöcher die vorher der Meinung waren Gewerkschaften sei was aus dem 18.Jahrhundert und sie hätten das ja ned nötig. Möchte mal gerne wissen wie viele von den Klugschei*ßern heute Taxi fahren. |
Full ACK. Ich ärger mich heute schwarz, dass ich vor zwei Jahren gegen die Einführung eines Betriebsrates gestimmt habe. Das hat mich zwei Lohnerniedrigungen und zig Kollegen gekostet...
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 7 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:31 Titel: |
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Und wer macht die meisten Umschulungen ?
Paritätisch beide - Unternehmerverbände und Gewerkschaften. Dieser Skandal ist also "gerecht" verteilt
Grundsätzlich geht es den Gewerkschaften nicht anderst als allen anderen Gruppen oder Institutionen in unserer Gesellschaft: Man ist einigermaßen ratlos darüber wie man aus der Krise rauskommen soll. Ihr müßt doch aber nun mal begreifen das gerade in einer Zeit wo es knapp wird und der Kampf um den Kuchen (Umverteilung) härter wird es nötiger den je ist eine Interessensvertretung zu haben ! Wir stehen vor Einschnitten die dramatisch sind. Die gesamte Bismarksche Sozialgesetzgebung steht auf dem Spiel. Und keiner ( ! ) hat mir bisher nachvollziebar sagen können was danach kommen soll.
Glaubt den einer hier wirklich und ernsthaft das es die vielen Tausend fehlenden Arbeitsplätze bringt wenn man den Kündigungsschutz locker ? Das ist doch ein Märchen von Käpten Blaubär. Ebenso wie so sinnige Sachen wie Lockerung des Ladenschlußgesetzes. Kann man machen ... führt aber zu rein gar nix.l _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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Holgers_inaktiv 
Anmeldungsdatum: 10.02.2002 Beiträge: 0 Wohnort: Köln
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Beitrag 8 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 15:54 Titel: |
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Also, dass Gewerkschaften - oder ähnlich aufgabenorientierte und Interessen der Arbeitnehmer wahrende Institutionen- als Korrektiv zu Arbeitgebervereinigungen nötig sind, dass wird wohl niemand ernsthaft bestreiten wollen.
Das Problem ist halt, dass sehr schnell aus solchen Organisationen "Proporz" wird und sich diese verselbstständigen und nur noch selbst darstellen. Da findet dann das gleiche statt, wie in der Politik bei den Parteien. Die Gewerkschaften, oder besser deren Vertreter sieht man einmal im Jahr bei den jährlichen Lohnrunden und am 1. Mai bei schönen Reden. Bei den Politikern dauert sowas halt 4 oder fünf Jahre. Die Arbeitnehmer/das Volk sind beiden eigentlich schnurzpiepegal.
Solange ein Betrieb gut läuft, Gewinne erwirtschaft und "shareholder value" schafft, solange brauchts eigentlich keine Gewerkschaft, wenn ich Helmut richtig verstehe.
Kommen jedoch schlechte Zeiten/Wirtschaftslagen/Konjunkturkrisen und es geht ans "freistellen" dann können Gewerkschaften auch nicht mehr viel helfen als "Sozialauswahl" zu betreiben und mitzubestimmen, wer demnächst Taxi fahren darf. In der Pleite sieht es noch übler aus. Übrigens werden auch Arbeitnehmer von Gewerkschaften entlassen.
Mal so zur Info: Die BGAG in Frankfurt ist bekanntlich die Dachgesellschaft des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Die Gerkschaften als Unternehmer und Arbeitgeber
Stichworte wie Neue Heimat, BFG; BHW etc. sagen wohl genug aus.
Die wahre Arbeit in den Betrieben leistet die BR, sofern diese aus Arbeitnehmern des Betriebes stammen. Warum allerdings Gewerkschaften sich das Recht herausnehmen können gegen den Willen des BR sich in Belange eines Betriebes einmischen zu dürfen, das verstehe wer will.
Ich glaube nicht, dass wir dies SO brauchen und meiner Meinung nach hat das mit der eigentlichen Idee, wie sie zu kapitalistischen Zeiten aufkam und sich bis heute entwickelte nichts mehr zu tun.
Die Gewerkschaften von heute zeichnet IMHO eigene gehörige Portion Scheinheiligkeit aus.
So, jetzt dürft ihr über mich herfallen ..... |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 9 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 16:10 Titel: |
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@ HolgerS
Was Du sagst ist nicht alles falsch .. aber so auch ned ganz richtig.
Mein Problem ist es (wie so oft) das ich hier weder Zeit noch die Möglichkeit habe so weit auszuholen wie es nötig wäre um ein paar grundsätzliche Dinge zu klären und zu erklären. Das würde unseren Rahmen hier total sprengen.
Soviel aber mal zu meinem Background: Gibt kaum einen der sich nicht so wie ich mit den "Bonzen" in den Gewerkschaften, den Ignoranten und Sesselfurzern dort aufgerieben hatte. In einem "anderen Leben" ... Ich kenne den Apparat ziemlich genau. Nixdestotrotz isses und bleibt es so das diese Institution eines der unverzichtbarsten Elemente in unserer Gesellschaft ist. Das der Apparat teilweise so "verkommen" ist liegt u.a. daran das eben die Mitglieder ( ! ) die Gewerkschaft auch nur als ne Art "Versicherung" betrachten in die man einzahlt und sonst nix. Der Rest sollen bitte die "Funktionäre" erledigen. Das das aber auch "nur" Menschen sind ... kommt es halt wie es kommen muß ...
So gesehen ist das lamentieren darüber völlig unsinnig. Verändern kann man nur was wenn man aktiv in diese Dinge eingreift. Betriebsräte die kontraproduktiv sind, unfähig usw. - abwählen ! Wo ist da ein Problem ? Das Problem überhaupt sind nicht und nirgends die Funktionsträger - es sind die Idioten welche die immer wieder wählen und selbst ihren Ar*sch nicht hochbekommen. Nur .. wenn man tief genug in der Sch*eiß steckt .. dann jammern ! _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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Holgers_inaktiv 
Anmeldungsdatum: 10.02.2002 Beiträge: 0 Wohnort: Köln
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Beitrag 10 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 16:21 Titel: |
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Zitat: | Das der Apparat teilweise so "verkommen" ist liegt u.a. daran das eben die Mitglieder ( ! ) die Gewerkschaft auch nur als ne Art "Versicherung" betrachten in die man einzahlt und sonst nix. Der Rest sollen bitte die "Funktionäre" erledigen. Das das aber auch "nur" Menschen sind ... kommt es halt wie es kommen muß ...
Das Problem überhaupt sind nicht und nirgends die Funktionsträger - es sind die Idioten welche die immer wählen wieder und selbst ihren Ar*sch nicht hochbekommen. Nur .. wenn man tief genug in der Sch*eiß steckt .. dann jammern ! |
Zum ersten Absatz:
Das Funktionäre auch nur "Menschen" sind iss schon klar, aber die werden dafür bezahlt (bestimmt nicht schlecht) und dann sollen sie verdammt und zugenäht nochmal auch ihren "Job" tun, sonst gehören sie "entlassen" !!!
zum 2.
Das Problem ist immer der "Mensch, das egoistische, habgierige Gewohnheitstier". Glaubst Du im Ernst, dass wenn man jemand aus der breiten Masse der Mitglieder wählen würde und als Funktionträger (schönes Wort) einsetzen würde, der nicht binnen Jahresfrist genauso versaut wäre ?
Mit den Wölfen heulen ...... Lech Walesa fält mir da spontan ein.
Meine Devise: hilf Dir selbst, sonst biste hilflos .....
Zuletzt bearbeitet von HolgerS |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 11 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 17:57 Titel: |
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Na ja ... das ist mir einfach zu fatalistisch gesehen. Menschen sind immer "Versuchungen" ausgesetzt - deshalb gerade muß man Rechenschaft verlangen und Kotrolle ausüben.
Aber ... um auf das Thema zu kommen: Glaubt den hier wirklich einer das die Gewerkschaften ( ! ) das Hauptproblem an der Massenarbeitslosigkeit und den sonstigen Problen sind ? Kann doch ned sein ! Warum redet den keiner von den Hauptverantwortlichen ? Den Unternehmen z.B, den unfähigen Manager ? Diejenigen von dessen Jahresgehalt die komplette Funktionärsriege einer kleinen Gewerkschaft leben könnte !
Es gibt evtl. einen Weg aus der Krise, natürlich nicht mehr zurück zu den "fetten Zeiten" - aber der geht nur mit den Gewerkschaften und auf keinen Fall gegen sie. Wer das versuchen würde legt Feuer an die Lunte.
Meine Devise: hilf Dir selbst, sonst biste hilflos .....
Ist zwar ein schöner Spruch .. aber im Grunde völliger Unsinn. Es mehr gibt Situationen und Zusammenhänge in Deinem Leben in denen Du damit keinen Schritt weiter kommst und auf vielfältige "Hilfe" (im weitesten Sinne) angewiesen bist. Das Grundprinzip unserer Gesellschaft ist (oder war zumindest) das Solidarprinzip. Würdest mal staunen was wird wenn man statt dessen das "Ellenbogenprinzip" einführt. _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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rene000 
Anmeldungsdatum: 24.07.2002 Beiträge: 111 Wohnort: Berlin
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Beitrag 12 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 19:52 Titel: |
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schön - ein neuer thread.
um den "alten" für mich abzuschliessen:
TSCHOK: Ansonsten ist ne Diskussion sinnlos, weil einfach das notwendige historische und gesellschaftspolitische Wissen fehlt. Also lassen wirs
keine diskussion ist sinnlos. komm mal mit argumenten und nicht solchen abgedroschenen hochstapeleien - sensibele menschen müssenja denken das du der absolute historiker bist und jede diskussion unter deinem niveau ist.
HELMUT: demokratie und gewerkschaft sind sicherlich 2 paar schuhe. du hattest aber den begriff demokratie ins spiel gebracht und da bin ich dann ebend auch dabei
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so - mal ´n lob an bergH. ist immer sehr inhaltsreich und trocken - find´ich gut.
ich nehme mal stellung zu seinen fragen :
Das Thema : Gewerkschaften in Deutschland.
Schaden sie dem Aufschwung ?
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nee - glaube ich nicht. welcher aufschwung eigentlich ? der blieb irgendwie aus. ach doch... die autobahnen sind ein wenig besser geworden (ich lebe in berlin und muss immer über die ehem. transitwege) und.. tja ich zahle ja immernoch 110€ / monat wiedervereinigungskohle... unterm strich gesehen : gut für die menschen aus den neuen bundesländern. wurde auch zeit.
Brauchen wir sie noch ?
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ja sicher. aber nicht als genossen, nicht mit dem feindbild des ausbeuters, nicht mit der polemik die irgendwann mal die massen begeistert hat, nicht im sinne einer "gewinnorientierten gesellschaft" die die gewerkschaften heute zu 100% sind,....
Wo wären wir ohne sie ?
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am ARSC. - keine frage. aber man kann sich nicht auf alte zeiten ausruhen. wenn ich bei mir im betrieb aufs schwarze brett schaue, dann sehe ich "Genossen" - ich sehe geballte fäuste im logo, ich sehe "aufruf zum kampf" und solchen shit. komme mir vor wie in der vergangenheit.
Sind sie zu sehr institutionalisiert ? (Bonzen und Funktionäre)
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klar. von unsere kohle (von meiner schon lange nicht mehr).
die sollten mal lieber das geld so anlegen, dass für jedes mitglied ein vernünftiger rentenzuschuss zustande kommt. und nicht leute durch die betriebe schicken, die auf endlosen versammlungen ihr unwissen über sparverträge hinsichtlich zusatzrente verbreiten (z.b.). der sinn der gewerkschaft hat sich geändert. die sind schon lange selber unternehmer.
Wo haben sie versagt ? (Arbeitsamt)
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puh.. das ist eigentlich ein abendfüllendes thema
versagt kann man vielleicht gar nicht auf einen nenner bringen. die sind so reich und mächtig geworden durch die fetten 70er + 80er. da ging vieles von alleine (per handschlag und segeltour unter den "bonzen" beider parteien).
der fehler heute ist, dass die einfach nur in einem konzept denken, das es nicht mehr gibt. die sollten mal lieber ein paar gute leute aus der wirtschaft einstellen. dann würde die mächtige position der gewerkschaften vielleicht mal richtig zum einsatz kommen.
Wo sind sie wichtig ?
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soziale härtefälle und ausbeutung. alles andere sollte jeder für sich mit dem AG ausmachen. jeder hatn mund und eine meinung. wenn nicht, dann hat er pech gehabt und es gibt standart.
Wo sind sie unverzoichtbar ?
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siehe oben
Gibt es einen gerechten Sozialsystemumbau ohne sie ?
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nee - sicher nicht . aber solangsam kneift das "soziale" bei den gewerkschaften. warum schicken die bei mir 35 jährige nach hause (mit 15 jahre guter erfahrung, kind + frau zu hause) und dafür bleibt ein kollege, der 58 ist. er hätte eine fette abfindung und 3 jahre fortzahlung bekommen. aber er kommt mit seiner frau nicht klar (sagt er immer wieder). ist das sozial ?
allgemein muß ich mal sagen : gewerkschaften müssen sein. aber in der form wie heute auf keinen fall. die sollten mal ein wenig mehr marktorientiert denken. leider ist es wirklich so, das z.b. der BR sehr wohl viel mitspracherecht bei entscheidungen hat, die ausschliesslich der firmenleitung vorbehalten sein sollten. und das kostet so mancher firma kopf und kragen. und da glaube ich, dass sich das in zukunft
die firmenleitung immer weniger gefallen lassen wird (darf). das sind nun mal die leute, die nicht nur die große kohle verdienen, sondern die tragen auch die konsequenzen. so ein BR - heini labert doch viel daher und hat erst gar keine verantwortung bei großen entscheidungen.
vielleicht sehe ich das auch nur so, weil ich in einer großen firma arbeite. als ich noch bei einer kleineren war, da gabs 1 BR-menschen. mit dem konnte man gut klar kommen.
rené _________________ http://www.hex666.de
http://www.weber-work.de |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 13 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 20:40 Titel: |
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@ rene000
Da liese sich viel dazu sagen ... aber ich laß es sein. Gebe Dir aber die Empfehlung in ner ruhigen Minute Dir mal etwas zur Geschichte der Arbeiter-und Gewerkschaftsbewegung anzulesen. Es macht keinen Sinn hier über Dinge zu diskutieren wenn man nicht davon ausgehen kann das ganz grundsätzliche Sachen einfach gewußt oder verstanden sind. Dinge über die man eigentlich nicht diskutieren muß. Insofern ist es auch ziemlich witzlos auf div. Einzelaspekte (über die man unter anderen Voraussetzungen sicher reden könnte) einzugehen. So interpretiere ich auch dem Tschok seine Anmerkung. Und ich fürchte ... da hat er nun mal leider recht.
Aussagen wie "gewinnorientierten gesellschaft" in Bezug auf die Gewerkschaften ( ... die müssen das Geld ja gewinnorientiert anlegen und ned in den Sparstrumpf stecken - sind doch Streikgelder ! ) .... Geld anlegen damit ein "vernünftiger rentenzuschuss rauskommt" ... als wenn die Gewerkschaft eine Versicherung wäre, .. oder gar die naive Vorstellung jeder könne mit "seinem" Arbeitgeber individuelle Bedingungen aushandeln ... (jenseits von allen tariflichen Regelungen) ...
also darüber kann ich nicht wirklich ernsthaft diskutieren. Sorry. _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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Stinger 

Anmeldungsdatum: 29.08.2002 Beiträge: 266 Wohnort: Im Norden, gleich hinterm Deich...
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Beitrag 14 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 21:04 Titel: |
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Ach Helmut,
dass dies hier Deine Spielwiese ist, war ja nicht anders zu erwarten......
Gewerkschaften sollten sich Ihrer wahren Aufgabe widmen und dafür sorgen das Arbeitsumstände und Entlohnung akzeptabel und (markt-) gerecht sind.
Blockade der Politik für den Machterhalt der Funktionäre ist nicht Ihre Aufgabe.
Antwort auf die Eingangsfrage :
Aufgrund der gesetzlichen Regelungen (in Deutschland) ist die heutige Form der Gewerkschaften überflüssig geworden.
Ihr dürft mich jetzt zerreißen...
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Ein "vertrauenswürdiger Computer" ist also einer, der meine Sicherheit untergräbt?
Nun haben Sie's kapiert! |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 15 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 22:13 Titel: |
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Von wegen "Spielwiese" !
Nee .. das muß ich ned unbedingt haben. Sehe mich auch außer Stande auf solche Statements wie " ist die heutige Form der Gewerkschaften überflüssig geworden" noch irgend was zu sagen. Dachte immer mich könnte noch wenig erschüttern. Da lag ich wohl falsch  _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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Tschok 

Anmeldungsdatum: 25.07.2002 Beiträge: 271 Wohnort: Zwischen Hamburg und Bremen
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Beitrag 16 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 22:33 Titel: |
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Zitat: | Antwort auf die Eingangsfrage :
Aufgrund der gesetzlichen Regelungen (in Deutschland) ist die heutige Form der Gewerkschaften überflüssig geworden. |
Dazu nur mal am Rande: Überleg Dir mal,
- woher die gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer kommen
- wer dafür sorgt, dass die gesetzlichen Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer nicht ausgehöhlt oder reduziert werden
- wer dafür sorgt, dass es immer wieder neue gesetztliche Regelungen zum Schutz der Arbeitnehmer gibt. Beispielsweise aufgrund neuer Technologien oder Anforderungen. Oder hast Du Lust, meinen Arbeitsvertrag (Festgehalt, kein Überstundenentgelt, keine maximale Arbeitszeit, keine Vergütung von Sonntags / Feiertagsarbeit - auf Deutsch: Knechten müssen solange der Chef es für notwendig erachtet) zu übernehmen?
Komisch dass es sowas überhaupt gibt - schließlich sind Unternehmer ja alle kleine Sozialarbeiter, denen das Wohlergehen ihrer Angestellten über alles geht... und unsere Politiker sind ebenfalls auf Seite der Arbeitnehmer und lassen sich von den Arbeitgebern überhaupt nicht beeinflussen. Oder wer soll Deiner Meinung nach sonst die Rechte der Arbeitnehmer vertreten? Der Papst? Dieter Bohlen? BILD kämpft für sie?
Viel Spaß beim Einbauen der Ironie-Tags. Wenn Du sie richtig setzt, diskutieren wir weiter: <<<<<<<<<<<>>>>>>>>>>>
Greetz; TschoK
Zuletzt bearbeitet von Tschok _________________ Hier könnte Ihre Werbung stehen |
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whisper 

Anmeldungsdatum: 25.01.2002 Beiträge: 145
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Beitrag 17 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 22:47 Titel: |
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Hmm...heißes Eisen. Und durchaus zwiespältig besetzt bei mir.
"Arbeitgeber und Betriebsrat arbeiten unter Beachtung der geltenden Tarifverträge vertrauensvoll und im Zusammenwirken mit den im Betrieb vertretenen Gewerkschaften und Arbeitgebervereinigungen zum Wohl der Arbeitnehmer und des Betriebes zusammen."
Wenn es so wäre, wär alles im Lack. Die Praxis sieht leider anders aus. Zumindest aus eigener Erfahrung.
Beispiel:
Firma aus der IT Branche mit 500 Mitarbeitern. Wie so viele vor der Pleite. Betriebsbedingte Kündigungen. Zum Zweck der Konzentration auf Kernkompetenzen etc..
Vertrauensvolles Verhältnis zwischen GF und BR besteht. Im Zuge der Verhandlunge sucht der BR Rat bei der Gewerkschaft. Gewerkschaftsvertreter wird involviert. Arbeitskampf beginnt. Fronten zwischen GF und BR verhärten sich. Sozialverträgliches Konzept zum Stellenabbau wird erarbeitet. Damit wird natürlich die Leistungsfähigkeit der Firma keinesfalls gestärkt, im Gegenteil.
Resultat 240 Mitarbeiter ohne viele junge Leistungsträger und mit vielen Sozialfällen (Ich bin nicht asozial, aber die "normale" Verteilung hat sich verschoben.).
Logische Konsequenz: Teilschließung von Firmenteilen. Schlechte Struktur der Firma bleibt erhalten nur kleiner. 110 Mitarbeiter.
Insolvenz der Firma und Aufkauf eines kleinen Firmenteils durch anderes Unternehmen.
Resultat 480 Arbeitslose mehr. Dem Arbeitskampf zum Opfer gefallen. Das Firmenwohl stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte, nur das Feindbild zwischen GF und BR+Gewerkschaftsvertretung.
Bei mir mutete es schon etwas komisch an, dass ein Gewerkschaftsfuzzi im entsprechenden Outfit. plötzlich Arbeitskampf in unserer Betriebsversammlung heraufbeschwor. Wortwahl und Auftreten passten einfach nicht.
Mit Sicherheit haben die falschen Ratgeber hier einiges zerstört.
Haben Gewerkschaften bei kleineren und mittleren Unternehmen wirklich mitzureden? Der Klassenkampf sollte eigentlich zur Jahrhundertwende ausgestorben sein. Ein Feindbild Arbeitgeber ist ebenfalls nicht zeitgemäß. Herrschen in einer Firma diese Ansichten, ist sie einfach nicht mehr konkurrenzfähig.
Zur Versöhnung:
In großen Unternehmen, wo nicht die Existenz, sondern die Gewinnmaximierung im Vordergrund steht, mögen die Gewerkschaften mit ihrem polarisierenden Auftreten durchaus Sinn machen, Mit Einnahme einer mittleren Positionen, lässt sich halt nicht viel bewegen.
Hier braucht man noch die Lobby der Gewerkschaften, um dem Betriebsrat das nötige Gehör zu verschaffen. Auch gibt es Berufszweige wo Tariflöhne unbedingt erforderlich sind. Die IT-Branche zählt mit Sicherheit nicht dazu.
Mein Wunsch an die Gewerkschaftsreform: Das Wohl der Betriebe und aller Arbeitnehmer berücksichtigen und die Arbeit in den Betrieben dem Betriebsrat überlassen. Die Position des Betriebsrats ist im BetrVG stark genug verankert. Übergeordnete Themen und Gespräche mit Politik und Arbeitgeberverbänden gehören selbstverständlich zu den Aufgaben.
Um die Wirtschaft wieder flott zu machen, sind wohl starke Einschnitte im Sozialsystem erforderlich. Hierzu müssen auch die Gewerkschaften bereit sein. Sich nicht auf einer glorreichen Vergangenheit ausruhen, sondern reformbereit sein.
Eine Abschaffung der Gewerkschaften ist natürlich Blödsinn. Eine zumindest telweise Entmachtung oder Umstrukturierung aus meiner Sicht wünschenswert.
@Tschok
Wir haben schließlich eine soziale Regierung für die arbeitnehmerfreundlichen Gesetze.
Betriebsrat != Gewerkschaften.
Gruss Whisper
Zuletzt bearbeitet von whisper |
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Helmut  globaler Moderator

Anmeldungsdatum: 06.05.2001 Beiträge: 30601 Wohnort: Frankfurt
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Beitrag 18 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 23:22 Titel: |
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Hmmm ...
Wieso ausgerechnet "die IT-Branche mit Sicherheit nicht dazu zählen" soll ist mir schleierhaft. Gerade die hat die geringsten Schutzmaßnahmen für ihre Angestellten.
Aber nochmal grundsätzlich - jenseits aller teilweisen berechtigen inhaltlichen Kritik am Gewerkschaftsapparat:
Was oder wem redet ihr den das Wort ? Wie soll den eine Gesellschaft im Kapitalismus - der ja im Prinzip nicht zur Disposition steht (mangels Alternativen) - funktionieren wenn es keine starken Interessensvertretungen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung gegenüber dem mächtigen Kapital und dessen Interessen gäbe ? Leute ... es will mir nicht in den Kopf rein wie man überhaupt annehmen kann das die Interessenlage der Unternehmer identisch wären mit denen der Angestellten und Arbeiter. Das hat auch nix mit "Klassenkampf" im marxistischen Sinne zu tun, - das sind Tatsachen welchen ja gerade durch Organisationen wie dem Arbeitgeberverband und der Gewerkschaften rechnung getragen wird. Was glaubt ihr denn was los wäre wenn es ned so wäre ? Wie die Unternehmen mit Euch Schlitten fahren würden.
Das Ziel eines Unternehmens ist es nicht die Mitarbeiter zu beglücken sondern seinen Profit zu maximieren. Das ist weder moralisch noch unmoralisch sondern schlicht und einfach kaptialistisches Marktgesetz. Wer es nicht beachtet geht unter. In diesem Interessensgegensatz einen Ausgleich zu schaffen ist im günstigen Falle ein sozialer Staat da - oder eben Gewerkschaften und ihre Organe.
Das je die Gewerkschaften die "Macht" gehabt hätten oder nur annähernd gegenüber dem Kaptial im Vorteil gewesen seien ist doch eine Legende. Das sogenannte "Vermögen" der Gewerkschaften ist doch weniger als ein Furz im Vergleich zu dem Kaptial und dem Besitz an Produktionsmittel der Unternehmer. Geld in den Gewerkschaften ist die Voraussetzung um überhaupt Arbeitskämpfe führen zu können. Ob und wie viel davon und in unverhältnismäßiger Höhe an irgendwelche Funktionäre als Gehälter gezahlt wird, oder der Apparat zu viel davon auffuttert - das ist in dem Zusammenhang total nebensächlich.
Vieles was ich hier in den Beiträgen lesen muß ist nix anderes als reine Ideologie, Parolen die von einer Seite in die Welt gesetzt werden die allen Grund dazu haben. Es ist die Stunde des Kaptials welche die Gelegenheit am Schopf packt um zu versuchen das Rad der Geschichte zurück zu drehen.
Die Ursache von Arbeitslosigkeit und Krise liegt nun mal definitiv nicht in der Existenz oder Haltung von Gewerkschaften begründen. Kenne auch keine Meinung von Rang (noch net mal von Unternehmerseite) welche so was behaupten würde.
Die Zeiten wo - wie in England - die Gewerkschaft mal durchgesetzt hatte das auf der Elektrolock auch noch ein Heizer mitfahren mußte sind schon lange vorbei. Nixdestotrotz - und das ist und war schon immer meine Kritik am Gewerkschaftsapparat - sind die Gewerkschaften zu schwerfällig und reagieren auf Entwicklungen zu spät oder gar ned. Wenn man aber Eure Einlassungen hier liest - gewinnt man den Eindruck ihr glaubt die sollten sich an besten selbst auflösen und der "Markt" wird es dann schon richten. Das ist nicht nur über alle Maßen blauäugig - sondern auch gefährlich. _________________ Wenn mer sich uffreche will: - Eintrachtfan und SPD Mitglied! |
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whisper 

Anmeldungsdatum: 25.01.2002 Beiträge: 145
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Beitrag 19 - Verfasst am: Di Jun 03, 2003 23:47 Titel: |
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@Helmut
Warum keine Tariflöhne in der IT-Branche.
1. Gehaltsniveau ist zu hoch. Wozu brauch ich da Mindestlöhne. Würden das Gehaltsniveau nur senken.
2. Wer seine Mitarbeiter sinnvoll motivieren will, arbeitet mit flexiblen Gehaltskomponenten, wie z.B. Gewinnbeteiligungen.
Eine Auflösung der Gewerkschaften fordere ich natürlich nicht. Erstens verstehe ich davon zu wenig und zweitens sind sie ja als übergeordnetes Arbeitnehmersprachrohr (Lobby) sinnvoll.
Aber heftige Kritik müssen sich die Gewerkschaften schon gefallen lassen. Schließlich sind die Reden der Gewerkschaftler ja auch nicht von Pappe.
Gruss Whisper |
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